Mein erstes mal Gavdos


Damals, von März bis Juni 2000 war ich immer dabei, wenn es mit dem Kaiki raus ging, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Kosta hatte sich damals noch nicht auf Paragadia spezialisiert, das kam erst später….

Ich lernte die Netze zu richten und Paragadia zu richten, meine Spezialität war es den Haken an die Tricha zu knoten….
Was es nur zum erlernen gab, versuchte ich in mich aufzunehmen.

Manchmal ging es nur hier an die Küste aber eben auch nach Gavdos.
Nach Gavdos fährt man nicht unbedingt nur für eine Nacht, das rentiert sich nicht, man bleibt schon 3/4/5 Nächte dort. Meist nur auf dem Kaiki, sehr selten fährt man in die Karave, den Hafen von Gavdos zum nächtigen.

Morgens wurde noch das nötigste eingekauft. Reis, Kartoffeln, Tomaten,
Eier, Zitronen, Fischbüchsen, Kekse, Brot……..
Mittags wurde noch mal ausgiebig gegessen dann wurde das Kaiki startklar gemacht und es ging los….
Das Wetter war hervorragend, Windstill, ruhige See, klare Sicht….
Es war atemberaubend wie sich Kreta immer weiter entfernte, irgendwann war Chora Sfakion dann garnicht mehr richtig auszumachen, Gavdos schien einem aber auch nicht grad näher gekommen zu sein… man war wohl so grad in der Mitte.
Die Überfahrt mit dem Kaiki dauert ca. 2 1/2 Stunden. Wir fuhren in die Bucht Birgo, im Westen der Insel, dort ist es meißt am geschütztesten.
Wir gingen vor Anker und die Männer bereiteten die Paragadia für die Nacht vor (Kosta, sein Vater und ein Ägypter)
Abends wurden Fischbüchsen aufgemacht (irgendwelche Makrelen in Tomatensoße), es gab Tomatensalat und Brot, einfach aber ausreichend.

Alles war super, bis auf den Zustand meiner Blase!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Das Kaiki hat keine Toilette, auf einem 13m Holzbot mit einer kleinen Kajüte schiffsmittig kann man sich nicht gut verstecken und vor einem Ägypter, seinem sfakiotischen Schwiegervater in spe einfach mal so die Hose runter zu lassen, NAJA!!! Ich verdängte meine Bedürfnisse auf die Nacht wenn alle schliefen……..
Dazu kam es aber leider nicht, denn als ich aufwachte waren alle Männer schon munter bei der Arbeit, es war wohl so 3.00Uhr….
nun gut, ich riß mich zusammen, mir würde schon was einfallen… inzwischen schaute ich den Männern zu, wie sie die Paragadia auslegten… mehrere Körbe, da kommen gut an die tausend Haken zusammen. Danach legt man sich wieder ein zwei Stündchen aufs Ohr…
bei mir waren es wohl mehr, die unfaßbaren Eindrücke der Nacht, die Ruhe/Stille, Einsamkeit mitten auf hoher See haben mich wohl erschöpft…
Morgens wachte ich auf, erstens, weil meine Blase sich nun wirklich unangenehm bemerkbar machte, zweitens weil die Männer schon wieder bei Arbeit waren….es war sooo spannend zu sehen wie ein Haken nach dem anderen hochgezogen wurde. Viele ohne Fisch ohne alles, manche Triches durchbissen, also Haken fehlt, aber natürlich auch immer wieder mal ein schöner Fisch….dabei vergaß ich meine Blase schon faßt. Nach mehreren Stunden war die Arbeit getan. Man fuhr wieder in die Bucht zum Ankern. Ein paar der kleinen Fische wurde ausgenommen und Kostas Vater zauberte eine Kakavia (Fischsuppe) Ein Gedicht!!!!!
Ach ja, nach dem Essen spühlte ich die Teller usw. die Männer saßen schon wieder an der Arbeit, die Paragadia wurden erneuert, sortiert und für die nächste Nacht vorbereitet (das dauert dann bis Abends, Pausen gibt es keine, da ist das mit den Netzen schon einfacher,,,)

Bei mir war nach über 24Std der Zeitpunkt erreicht, das ich kurz davor war zu platzen…. Kosta merkte das wohl (warum ich ihm bisher nichts gesagt habe? keine Ahnung)er ging ans Heck, hohlte ein 5l Ölkanister, leer, schnitt ihn in der Mitte durch, gab ihn mir und meinte ich sollte runter zur Maschine….. ich schaute zwar anfangs etwas komisch war dann aber sehr dankbar. Ich „füllte“ den Kanister auf, kam von der Maschine wieder hervor schüttete es ins Meer, und alles unter einem riesen Gelächter der 3 Männer. Anfangs schämte ich mich soooooo, aber dann war alles OK…. dieses Problem hatte sich nun für ewig gelöst und ich konnte alles noch mehr genießen….Vier Tage blieben wir, der Ablauf immer der gleiche,Arbeit Arbeit Arbeit, Schlaf bekamen die Männer nur wenig. Es waren aber keine schlechten Zeiten und der Fang war dementsprechend gut……….

Die 4 Tage waren um und wir machten uns auf die Heimreise, Kreta kam immer näher und näher, Sfakia tauchte auf, wir waren wieder zu Hause….
Ich hatte um einiges mehr Schlaf als die Männer,trotzdem war ich irgendwie am Ende.
Im Hafen angekommen wurde der Fisch an den Fischhändler übergeben, das Kaiki wurde geschruppt und geputzt, auf Vordermann gebracht für die nächste Reise, dann erst ging es nach Hause, Kostas Mutter wartete schon mit Essen auf uns und dann ab ins Bett…………..

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